Biographisches

Fotografie hat mich seit meiner Kindheit begleitet. Dieser Einfluss ging von meinem Vater aus, der von Beruf Fotograf war und sich stets mühte mich dem Thema zu verbinden. So durfte ich durch ihn meine erste eigene Kamera, die legendäre zweiäuige Rolleicord stolz mein eigen nennen und mit dieser nach Herzenslust experimentieren. Nach heutigen Maßstäben war das natürlich ziemlich umständlich, das Hantieren mit Rollfilm beim Einfädeln in die Kamera und dieser ganze klobige Apparat mit seinem merkwürdigen Lichtschachtsucher, oder seine feste Brennweite, das Prozedere der Entwicklung von Negativen und Bildern in der Dunkelkammer, und die zugleich so wichtigen Zusammenhänge von Zeit, Blende und Tiefenschärfe zu verstehen. Aber ich möchte diese Zeit nicht missen, denn damals habe ich vieles über Fotografie gelernt! Später, mit meiner ersten Spiegelreflex, beschäftigte ich mich u.a. mit Reisefotografie und darüber hinaus dem Ablichten von allem Möglichen was mich als junger Mensch so begeisterte. Ab etwa 2004, endlich im Besitz einer digitalen Kamera, begann ich zunehmend im Internet Fotos zu zeigen. Thematisch waren die Bilder zu diesem Zeitpunkt noch eher gemischt.

Erst 2007 entdeckte ich über die Industriefotografie meine besondere Faszination für Rost und seine Strukturen. Diese Begeisterung hat mich nicht mehr losgelassen!

Betrachtungen über den Rost

RostART ist heutzutage ein gedehnter Begriff. Menschen die sich mit diesem Begriff und seinen künstlerischen Inhalten ernsthaft auseinandersetzen sind relativ weit gestreut, und obwohl es großartige Beispiele ausgesprochen kreativer Werke mit Schrott- und Eisenteilen gibt, sind diese nicht besonders populär. Das stellt sich bei der Fotografie von Rost auch nicht anders dar. Etwas bekannter wurden Fotos von rostigen Strukturen erst durch eine wachsende Präsenz in verschiedenen Fotocommunities, die Plattformen boten sich konzentriert darzustellen und so ein breiteres Publikum zu erreichen. Als die ausdrucksstarken Impressionen des Maroden die sie ohne Zweifel sein können, werden sie jedoch nicht wirklich wahrgenommen.

Die hier gezeigten Bilder sollen helfen diesen Zustand zu verbessern und dabei die Phantasie beflügeln.

Was ist Rost eigentlich?

Im allgemeinen Bewusstsein werden Rost und seinen diversen Erscheinungsformen natürlich eher destruktive Eigenschaften zugeschrieben. Man denke hier beispielsweise nur an die wahrlich nicht unbeträchtlichen Kosten, nämlich geschätzte 2,5 Billionen Dollar weltweit jährlich, so die World Corrosion Oraganization, die durch die sogenannte "langsame Oxidation" oder Korrosion systematisch an Maschinen, Bauwerken und Fahrzeugen usw. hervorgerufen werden.

Betrachten wir jedoch einerseits die auffälligen optischen Auswirkungen von Rost einmal genauer, so offenbart sich schnell eine außerordentliche Vielfalt in Farbe und Form, in Ordnung und Chaos. Die chemischen Reaktionen der unterschiedlichen Elemente und ihr besonderes Zusammenspiel durch die Zeit und ihren Ablauf, oder verschiedene Umwelteinflüsse, wie zum Beispiel die des aggressiven Sauerstoffs in unserer Luft, Wasser in Form von Regen und Feuchtigkeit, und nicht zuletzt sogar Fliegen- oder Vogelschiss erzeugen die gewaltigen Ausdrucksformen welche die menschliche Vorstellungskraft berühren können. Dabei entdecken wir dann - gewissermaßen nach und nach - die faszinierend gewachsenen, ja aufgeblühten Armeen der Rostigen Reiche die in ihrem Aufbau überraschend an organische Strukturen erinnern, gewachsene Territorien und ein jedes für sich ein bemerkenswertes Unikat.

Andererseits sind aber alarmierende Kräfte sichtbar am Werken und Wirken, die kontinuierlich nagen und ohne Unterlass - arbeiten. Ein Disaster! Es drängt sich an diesem Punkt geradezu der Gedanke auf, wie wir Zeuge sind bei der Entstehung kleiner, hässlicher, rostiger... Flecken ...die plötzlich auftauchen wie eine Krankheit - die ja das Bild ist - und wachsen und wachsen und wachsen... (und hier ist nun wirklich das Maß über-gekommen an dem der Autobesitzer rigoros gegen das Werk vorgehen sollte ;-) ...und wenn die Nahrung aufgezehrt ist, einfach wieder verschwinden - und zwar mit dem Gegenstand der Begierde!
Dieser Prozess kann wie die dramatische Werdung von Galaxien wahrgenommen werden, die Geburt von Planeten und Welten die sich in Rost und Staub verlieren, ja sogar wie die Entstehung des Lebens selbst - im Mikrokosmos!

Wenn man ihn also dann nur lässt, hat Rost seine Existenz - von der Geburt und seiner Entstehung, bis hin zu seinem Ende und Verschwinden. Die Photographie dieser Phänomene ist somit nicht nur ein dokumentarischer Blick auf sein Dasein, (und mag dem Suchenden vielleicht helfen die Plage von sich fern zu halten), sondern darüber hinaus auch der Blick in den Spiegel unserer eigenen Seele - der Quelle aller Bilder.

Dem Rost sein Bild

Es liegt doch stets spitz im Auge des Betrachters in Rost etwas zu sehen das ihm bös bekannt vorkommt. So einfach kann es bereits zur Interaktion (oder Konfrontation ;-) zwischen Werk und Betrachter kommen. Wie beim Maler die Kunst darin besteht Pinsel oder Stift zu führen, Farben zu variieren und seine Ideen dabei nach außen zu tragen, ist es bei der Ablichtung rostiger Phänomene eher so es nur zu sehen, zu erkennen, und schließlich zu vermitteln. In beiden Fällen wird das Bild gemacht um etwas von der inneren Vorstellungskraft nach außen zu transportieren.

Nun löst Rost im Allgemeinen ja recht unterschiedliche Reaktionen aus. Nicht selten werden aus einer verständlichen Bestürzung heraus imposante Geldbeträge dazu ausgegeben seiner Herr zu werden. Der geneigte Betrachter wird vielleicht einen Moment innehalten und verstehen, der Betroffene aber wird lediglich mit seinen Achseln zucken und einen verheerenden Vernichtungsfeldzug starten. Es ist wohl sein Schicksal, dass dem Rost sein Bild ausgelöscht werden kann von jetzt auf gleich, das ihn ebenso begleitet wie seine stetige Ausbreitung. Deshalb werden immer Bilder da-sein im Rost die uns berühren und faszinieren, aber auch ärgern und abschrecken. Und eben darum wird er wahrscheinlich für die meisten Menschen stets ein mächtiger Feind bleiben, wegen des großen Kampfes den er uns liefert.

Manchmal erzählt er dann die alten Geschichten mit seinen Bildern die er uns zeigt, und wenn wir sie nur zu sehen vermögen, zu entdecken, bedeuten sie uns die Engel und Sagen, die rostigen Länder und Geister, die Welt und den Krieg und den Kampf!

Die rostigen Reiche

Jedenfalls werden es die Rostigen Reiche und ihre Armeen trotz aller Hilfe, nämlich der Produktion von Metall in jeglicher Form, nicht leicht haben mit der Menschheit. Ihnen sitzt der Hunger im Nacken und nichts ist von Dauer außer dem Kampf. Wenn Rost als Lebensform anerkannt würde - so würde er wahrscheinlich alsbald zu den ständig bedrohten Arten gezählt werden müssen! Und dabei noch einen Sturm auslösen von Entrüstung und Empörung, denn mit dem Menschen liegt er doch im Krieg! Ein Missverständnis nur – ja ja, aber lange schon solange schon, und ohne Aussicht auf Versöhnung!
Und doch gibt es noch Hoffnung! Und doch gibt es noch Nahrung! Reiche Ländereien voller fetter Gruben und Halden und Röhren und Türmen, all die Friedhöfe des Eisens die verlassen schlummern da drüben hinter den Hügeln, denn dorthin wendet sich dann der Weg der Rostigen Reiche!

Und so müssen sie, wie sie es schon immer getan haben und immer wieder tun werden, weiterziehen und marschieren mit ihren Armeen auf dem Weg in die Welt und den Krieg. Denn es ist eben nichts von Dauer außer dem Kampf!

Die dunkle Seite des Rost

Die dunkle, mystische und geheimnisvolle Seite der Rostigen Reiche und ihrer Armeen ist schließlich jene dem Licht gänzlich abgewandte Seite ihrer metallenen Evolution, die nur schwerlich zu entdecken ist, denn sie findet sich zumeist verborgen in jenen Bereichen die niemand gerne betritt. Es ist dies eine düstere und abgelegene Zone von Fremdheit und Andersartigkeit, angefüllt mit wilder und ungezügelter Ausbreitung schwärender Formen und Assoziationen in Zwielicht und Dämmer - ein Rostreich mit seinen ganz eigenen Gesetzen! Bewacht von unheimlichen Geistern und Dämonen, die sich nur zu gern dem Blick zu entziehen suchen weil sie etwas Dunkles auch in uns berühren können - nämlich unsere eigene Furcht vor dem Unbekannten!

Eines aber scheint gewiss: Der Rost wird uns Menschheit überleben, seine Zeit ist in Äonen bemessen und wenn schließlich kein Mensch mehr ist, und auch kein Bild mehr außer dem Seinen!, wird er noch von unseren Resten rosten und diese - kampflos dann - dem Universum zurückerstatten. In welcher Form auch immer!

;-)

© Michael Zemlicka - Alle Rechte vorbehalten.